Ein kleines Bläschen am Lidrand oder eine Schwellung direkt auf dem Auge – solche Entdeckungen beim Blick in den Spiegel lösen oft erst einmal Unsicherheit aus. Handelt es sich um eine harmlose Reizung, ein Hagelkorn oder eine Zyste? Und vor allem: Ist das gefährlich?
In diesem Beitrag erfahren Sie alles Wichtige über Zysten am Auge. Wir erklären Ihnen, welche verschiedenen Formen es gibt, wie sie entstehen und – was für Sie am wichtigsten ist – wann Abwarten genügt und wann eine Behandlung durch den Augenarzt notwendig wird.
Das Wichtigste in Kürze
- Definition & Risiko: Augenzysten sind meist gutartige, flüssigkeitsgefüllte Hohlräume, die oft harmlos sind, jedoch bei Wachstum Schmerzen verursachen oder das Sehvermögen beeinträchtigen können.
- Ursachen: Die Entstehung von Zysten wird durch Faktoren wie verstopfte Drüsen, Infektionen, Verletzungen, Operationen, genetische Veranlagung oder Umweltreize begünstigt.
- Arten: Medizinisch wird zwischen Retentions- (Flüssigkeitsstau) und Inklusionszysten (eingeschlossenes Gewebe) unterschieden, die an verschiedensten Stellen wie dem Augenlid (z. B. Hagelkorn), der Bindehaut, der Iris oder der Netzhaut auftreten können.
- Therapieentscheidung: Oft genügt regelmäßiges Beobachten („Watch and Wait“); ein Eingriff ist notwendig bei Schmerzen, Sehstörungen, Wachstum oder aus ästhetischen Gründen.
- Behandlung: Wenn nötig, erfolgt die Therapie medikamentös (z. B. Tropfen) oder durch eine chirurgische Entfernung der gesamten Zystenkapsel. Von Hausmitteln ist abzuraten.
Was sind Zysten im Auge?
Der Begriff Zyste leitet sich vom griechischen Wort für „Blase“ (kystis) ab. Medizinisch versteht man darunter abgekapselte Hohlräume im oder am Auge, die sich mit unterschiedlichen Substanzen füllen können. Je nach Art der Zyste besteht dieser Inhalt beispielsweise aus Tränenflüssigkeit, Talg, Eiter, Blut oder festen Gewebebestandteilen.
Sind Zysten im Auge gefährlich?
Zysten sind gutartige, flüssigkeitsgefüllte Schwellungen und meist harmlos. Je nach Größe können sie jedoch ein Fremdkörpergefühl, trockene Augen oder Hängelider verursachen. Sobald sie das Sehvermögen beeinträchtigen, sollten sie augenärztlich entfernt werden.
Ursachen und Risikofaktoren von Augenzysten
Die Entstehung von Zysten kann durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst werden. Dazu gehören genetische Prädispositionen, chronische Entzündungszustände des Auges, Traumata, Infektionen sowie chirurgische Operationen am Auge.
Umweltfaktoren, wie die Exposition gegenüber Reizstoffen, Allergenen oder das Tragen von Kontaktlinsen, können ebenfalls zur Entwicklung beitragen.
In einigen Fällen entwickeln sich die verschiedenen Formen von Zysten ohne erkennbare Ursache, was auf eine mögliche genetische Komponente oder unbekannte Umweltfaktoren hindeutet.
Symptome und Diagnose von Augenzysten
Die Symptome von Augenzysten variieren stark je nach Typ und Lage der Zyste. Zu den häufigsten Anzeichen gehören:
- Sichtbare Schwellungen
- Rötungen
- Augenschmerzen
- Unbehagen im Bereich des Auges (z. B. Fremdkörpergefühl)
- Beeinträchtigungen des Sehvermögens
- Lichtempfindlichkeit und in einigen Fällen erhöhter Augeninnendruck.
Die Diagnose von Augenzysten erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus visueller Untersuchung, bildgebenden Verfahren wie Ultraschall oder MRT und gegebenenfalls einer Biopsie.
Lassen Sie uns sprechen
Sie nehmen die Symptome einer Augenzyste wahr und möchten sich untersuchen lassen? Dann zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren. Wir untersuchen Sie gerne in unserer Praxis in Chur.

Wann muss eine Zyste entfernt werden und wann genügt abwarten?
Nicht jeder Befund erfordert sofortiges Handeln. In vielen Fällen, besonders bei kleinen Zysten an der Bindehaut oder der Iris, verhält sich die Veränderung unauffällig. Solange Sie keine Beschwerden haben und Ihr Sehvermögen nicht beeinträchtigt ist, reicht es oft aus, die Zyste lediglich im Rahmen regelmäßiger augenärztlicher Untersuchungen kontrollieren zu lassen („Watch and Wait“).
Wenden Sie sich bitte sofort an Ihren Augenarzt, wenn die Zyste platzt. Auch bei anhaltenden Entzündungen am Augapfel oder Lid sowie bei Beschwerden, die über Tage nicht abklingen, sollten Sie nicht zögern, ärztlichen Rat einzuholen.
Wann wird zu einem Eingriff geraten?
Eine aktive Behandlung wird dann empfohlen, wenn die Zyste beginnt, Sie im Alltag zu stören, oder sich verändert. Die Entscheidung für eine Entfernung fällt meist aus folgenden Gründen:
- Körperliche Beschwerden: Sie leiden unter Schmerzen, einem Druckgefühl, erhöhter Lichtempfindlichkeit oder einem ständigen Fremdkörpergefühl im Auge.
- Sehstörungen: Die Zyste beeinträchtigt Ihre Sicht oder löst Doppelbilder aus.
- Veränderung des Befundes: Die Zyste wächst oder hat sich entzündet.
- Ästhetik: Sie empfinden die Zyste – insbesondere bei sichtbaren Blasen am Lid oder auf dem Auge – als kosmetisch störend.
Wie läuft die Entfernung ab?
Sollte ein Eingriff notwendig sein, erfolgt dieser in der Regel ambulant und unter örtlicher Betäubung. Das Ziel der Operation ist es dabei stets, nicht nur die Flüssigkeit, sondern die gesamte Gewebehülle (Kapsel) der Zyste vollständig zu entfernen. Dies ist der wichtigste Schritt, um zu verhindern, dass sich die Zyste an derselben Stelle erneut bildet.
Arten von Augenzysten
Medizinisch lassen sich grundsätzlich zwei Hauptformen unterscheiden:
- Retentionszysten: Diese entstehen meist durch einen Flüssigkeitsstau, wenn beispielsweise Drüsen verstopfen und Flüssigkeiten (wie Tränen) nicht mehr abfließen können.
- Inklusionszysten: Diese Form tritt häufiger auf. Hierbei wird Gewebe eingeschlossen. Ursachen sind oft angeborene Entwicklungen oder die Folge von kleinen Verletzungen und Narbenbildung am Auge.
Zudem werden Zysten nach ihrem Entstehungsort unterschieden. Sie treten überwiegend an der Bindehaut, dem Augenlid, der Iris oder in den Tränendrüsen auf. Eine Besonderheit bilden Zysten im Bereich der Augenhöhle, die meist angeboren sind.
Bindehautzysten: Blase am Auge
Bindehautzysten sind kleine, flüssigkeitsgefüllte (klare oder trübe Flüssigkeit) Bläschen oder Blasen, die auf der Bindehaut, der transparenten Membran, die das Weisse des Auges und die Innenseite der Augenlider bedeckt, auftreten.
Die Bindehautzyste kann als Reaktion auf Entzündungen, Allergien, Infektionen oder Augenoperationen entstehen. Diese kleinen Zysten sind oft harmlos und können von selbst verschwinden. Nehmen die Zysten jedoch an Grösse zu, können sie die Sicht behindern oder als kosmetisch störend empfunden werden. In solchen Fällen sollte eine medizinische Behandlung erfolgen.
Chalazion (Hagelkorn)
Das Chalazion entsteht durch eine Blockierung der Meibom-Drüsen im Augenlid. Diese Drüsen produzieren ein öliges Sekret, das hilft, den Tränenfilm auf der Augenoberfläche zu stabilisieren. Ein Chalazion erscheint als eine schmerzlose, rundliche Schwellung am Augenlid und ist in der Regel nicht infektiös.
Obwohl Chalazien meist keine Schmerzen verursachen, können sie je nach Lage und Grösse das Sehvermögen beeinträchtigen, etwa wenn grosse Chalazion-Zysten auf die Hornhaut drücken. In einigen Fällen können Chalazien spontan aufbrechen und abheilen, in anderen Fällen können sie hartnäckig sein und eine Behandlung erfordern.
Talgretentionszysten
Talgretentionszysten, auch Epidermoidzysten genannt, sind das Ergebnis einer Blockade der Talgdrüsen in der Haut der Augenlider. Diese Zysten sind häufig kleiner als Chalazien und enthalten Talg, der normalerweise von den Drüsen abgesondert wird.
Obwohl sie äusserlich einem Chalazion ähneln können, sind Talgretentionszysten durch ihre Konsistenz und ihren Inhalt unterscheidbar. Sie sind in der Regel gutartig, können jedoch gelegentlich entzündet werden, was zu Rötungen, Schwellungen und Unbehagen führen kann.
In seltenen Fällen können sie aufgrund einer Infektion chirurgisch entfernt werden müssen.
Dermoidzysten
Dermoidzysten sind angeborene, komplexe Zysten, die aus unterschiedlichen Typen von Gewebe bestehen können, darunter Hautzellen, Haarfollikel und manchmal sogar Zähne.
Sie treten in der Regel am Rand der Augenhöhle auf und können sich in Form und Grösse deutlich unterscheiden. Diese gutartigen Zysten können aber durch ihre Grösse und Position Druck auf das Auge und die umliegenden Strukturen ausüben, was zu Beschwerden oder Sehbeeinträchtigungen führen kann.
Dermoidzysten wachsen langsam und werden oft erst erkannt, wenn Beschwerden wie Doppelbilder oder ein Hervortreten des Augapfels auftreten.
In einigen Fällen können kosmetische Gründe oder das Risiko einer Beeinträchtigung des Sehvermögens eine chirurgische Entfernung erforderlich machen.
Hornhautzysten
Hornhautzysten sind relativ seltene Augenzysten, die auf der Hornhaut, der klaren vorderen Oberfläche des Augapfels, auftreten.
Sie können durch verschiedene Ursachen wie Verletzungen, Infektionen oder als Komplikationen nach Augenoperationen entstehen.
Hornhautzysten können das Sehvermögen beeinträchtigen, da sie die Lichtbrechung stören oder zu einer Verformung der Hornhautoberfläche führen.
Die Behandlung von Hornhautzysten kann schwierig sein und erfordert oft eine spezialisierte augenärztliche Versorgung. In einigen Fällen kann eine chirurgische Entfernung der Zyste oder eine Laserbehandlung erforderlich sein.
Iriszysten
Iriszysten treten in der Iris, dem farbigen Teil des Auges, auf und können sowohl angeboren als auch erworben sein. Die erworbenen Formen entstehen häufig durch Traumata, Entzündungen, chirurgische Operationen oder als Nebenwirkungen bestimmter Medikamente.
Zysten in der Iris können in Grösse und Position variieren und sind in der Regel mit Flüssigkeit gefüllt. Sie können den normalen Flüssigkeitsfluss im Auge behindern und zu Problemen wie erhöhtem Augeninnendruck, zur Verschiebung der Linse und in einigen Fällen sogar zu Glaukom führen.
Anzeichen von Iriszysten können verschwommenes Sehen, Schatten oder dunkle Flecken im Sichtfeld und in seltenen Fällen Schmerzen sein.
Die Behandlung hängt von der Grösse und Lage der Zyste ab und kann von regelmässiger Überwachung bis hin zu chirurgischen Operationen reichen.
Retinale Zysten
Retinale Zysten sind in der Netzhaut, dem Teil des Auges, der für das Sehen verantwortlich ist, lokalisiert. Sie können durch eine Vielzahl von Bedingungen, einschliesslich genetischer Störungen, Netzhautablösungen oder Entzündungen, verursacht werden.
Retinale Zysten stellen ein erhebliches Risiko für das Augenlicht dar und können zur Erblindung führen, da sie die normale Funktion der Netzhaut beeinträchtigen können.
Die Anzeichen von retinalen Zysten können verschwommenes Sehen, Sichtfeldausfälle und in einigen Fällen vollständigen Sehverlust umfassen.
Die Therapie dieser Augenzysten ist komplex und kann eine Kombination aus medikamentöser Therapie und chirurgischen Eingriffen erfordern.
Dakryops
Dakryops, auch als Zysten der Tränendrüse bekannt, resultiert aus einer Blockade der Tränendrüsenkanäle. Diese Zysten der Tränendrüsen sind durch eine sichtbare Schwellung im Bereich der Tränendrüsen, die sich oberhalb des äusseren Augenwinkels befinden, charakterisiert.
Zusätzlich zum sichtbaren Erscheinungsbild können Anzeichen wie starker Tränenfluss, Schmerzen und Druckempfindlichkeit im betroffenen Bereich auftreten.
Dakryops entstehen häufig aufgrund von Entzündungen, Verletzungen oder als Komplikation von Augenerkrankungen, z. B. durch ein Trachom. Das Trachom ist eine durch Chlamydia trachomatis der Serotypen A, B und C verursachte bakterielle Erkrankung der Binde- und Hornhaut.
Die Therapie variiert je nach Ursache und Grösse der Zyste und kann von medikamentösen Therapien bis hin zu operativen Eingriffen reichen.
Gerstenkorn (Hordeolum)
Ein Gerstenkorn, auch als Hordeolum bekannt, ist eine Schwellung des Augenlids, genauer gesagt von den Drüsen am Lidrand.
Im Gegensatz zu einem Hagelkorn geht ein Gerstenkorn oft mit Schmerzen, einem Druckgefühl, sowie einem Fremdkörpergefühl auf dem Auge einher. Gelegentlich bildet sich auch eitriges Sekret.
Zusätzlich können nicht nur Talgdrüsen, sondern auch Schweissdrüsen, insbesondere die sogenannten Moll-Drüsen, betroffen sein.
Behandlungsmethoden von Augenzysten
Die Therapie hängt von der Grösse, Art und Symptomatik der Augenzyste ab. Kleine, asymptomatische Zysten können einfach beobachtet werden. Bei entzündlichen Zysten können topische oder systemische Medikamente, wie entzündungshemmende oder antibiotische Augentropfen, eingesetzt werden.
Verzichten Sie bitte auf Hausmittel. Selbstversuche können das empfindliche Auge reizen oder Infektionen auslösen. Holen Sie sich stattdessen bei auffälligen oder immer wiederkehrenden Zysten ärztlichen Rat ein.
Grössere oder störende Zysten, insbesondere solche, die das Augenlicht beeinträchtigen, können chirurgisch mit Betäubung entfernt werden. Sitzen Zysten an empfindlichen Stellen wie der Hornhaut oder der Iris, ist oft eine Operation erforderlich. Nur so lässt sich das Augenlicht langfristig erhalten und schweren Folgen – wie dem Grünen Star (Glaukom) oder gar einer Erblindung – vorbeugen.
Bei Dakryops kann eine Duktussondierung oder operative Entfernung notwendig sein, um den normalen Tränenabfluss wiederherzustellen.
Prävention und Langzeitmanagement
Obwohl nicht alle Augenzysten verhindert werden können, spielen regelmässige Augenuntersuchungen und eine gute Augenhygiene eine wichtige Rolle.
Das Tragen von Schutzbrillen bei risikoreichen Aktivitäten, die richtige Pflege von Kontaktlinsen und die Therapie von zugrunde liegenden Gesundheitszuständen, die zur Zystenbildung führen können, sind ebenfalls wichtige präventive Massnahmen.
Zysten im Auge: Fazit
Zysten am Auge stellen ein sehr vielfältiges Krankheitsbild dar. Das Spektrum reicht von harmlosen, kaum sichtbaren Veränderungen hin zu größeren Befunden, die massive Beschwerden verursachen oder das Sehvermögen einschränken.
Während kleine Zysten oft gar keine Symptome zeigen, können größere Exemplare problematisch werden: Wenn sie beispielsweise den Lidschluss behindern, droht eine Austrocknung des Auges. Oft ist es auch der ästhetische Aspekt, der Patienten eine Entfernung wünschen lässt.
Wenngleich viele Zysten gutartig sind, ist eine fachärztliche Diagnose anzuraten. Nur so erhalten Sie Gewissheit über die Art der Zyste und können ausschließen, dass sich hinter der Veränderung eine ernsthafte Erkrankung (wie etwa ein Melanom) verbirgt.
Gerne stehen wir Ihnen für diese Abklärung sowie für alle weiteren Fragen rund um Ihre Augengesundheit in unserer Augenarztpraxis in Chur zur Verfügung. Vereinbaren Sie hierzu einfach einen Termin bei uns.



