Glaskörperabhebung – Symptome, Ursachen und Therapien

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Die Glaskörperabhebung ist ein physiologischer Vorgang, der vorwiegend im fortgeschrittenen Alter auftritt. Dabei verändert sich die Gelstruktur des Glaskörpers, was zu dessen Schrumpfung und Ablösung von der Netzhaut führt. Obwohl dieser Prozess in der Regel gutartig verläuft, sollten Sie die spezifischen Warnsignale kennen, um Netzhautschäden rechtzeitig abzuwenden.

Wir erklären Ihnen in diesem Artikel kompakt und verständlich, wie Sie die Warnsignale richtig deuten, welche Risikofaktoren eine Rolle spielen und welche Therapiemöglichkeiten es gibt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ursache: Bei einer Glaskörperabhebung handelt es sich um einen meist natürlichen, altersbedingten Prozess (oft ab 60 Jahren), bei dem der Glaskörper schrumpft, verflüssigt und sich von der Netzhaut ablöst.
  • Symptome: Typisch sind schmerzfreie Wahrnehmungen wie Lichtblitze, „fliegende Mücken“ (schwarze Punkte/Fäden) und bewegliche Schatten, die besonders bei hellen Hintergründen auffallen.
  • Risiken: Der Vorgang ist meist harmlos, kann aber in seltenen Fällen zu Netzhautrissen oder einer Netzhautablösung führen; Warnsignale hierfür sind „Rußregen“ oder eine plötzliche Zunahme der Blitze/Schatten.
  • Risikofaktoren: Neben dem Alter erhöhen vor allem Kurzsichtigkeit (Myopie), Diabetes, frühere Augenverletzungen oder Operationen die Wahrscheinlichkeit einer Glaskörperabhebung.
  • Therapie: In unkomplizierten Fällen ist keine Behandlung notwendig, da sich das Gehirn an die Trübungen gewöhnt; operative Eingriffe (Vitrektomie) erfolgen normalerweise nur bei schweren Komplikationen oder starkem Leidensdruck.

Was ist der Glaskörper?

Der Glaskörper (Corpus vitreum) ist ein transparentes, extrazelluläres Gel mit einem komplizierten strukturellen Gerüst aus Kollagen, löslichen Proteinen, Hyaluronsäure und Wasser. Er besteht zu 98 Prozent aus Wasser und macht zwei Drittel des Gesamtvolumens des Auges aus.

Der Glaskörper sorgt im Augeninneren für einen gleichbleibenden Druck auf allen Seiten. Umgeben wird das Glaskörpergel von einer hauchdünnen Membran, der sogenannten Glaskörpergrenzmembran. Diese schmiegt sich vorn an die Linse sowie seitlich und hinten an die Netzhaut an.

Während die Verbindungen zwischen Glaskörper und Netzhaut in den meisten Bereichen unregelmäßig sind, bestehen an bestimmten Stellen feste Anheftungen. Diese finden sich insbesondere an der Netzhautmitte (Makula, der Bereich des schärfsten Sehens), am Sehnerv, entlang der Netzhautgefäße und an der äußersten Peripherie der Netzhaut (Glaskörperbasis).

Die anfänglich gelartige Konsistenz des Glaskörpers degeneriert durch einen physiologischen Prozess mit fortschreitendem Alter. Das heißt, im Laufe des Lebens gibt es eine Veränderung des Glaskörpers. Es kommt zu einer Schrumpfung des Glaskörpers.

Ab etwa 50 Jahren befinden sich 25 Prozent des Glaskörpers in der Wasserphase, während mit 80 Jahren mehr als 60 Prozent des Glaskörpers von der Gelphase in die Wasserphase übergegangen sind.

Querschnitt eines Auges mit Beschriftung zur Glaskörperabhebung. Der angehobene Glaskörper löst sich von der Netzhaut, beides ist farblich und mit Linien markiert.

Symptome einer Glaskörperabhebung

Die Erkrankung verläuft schmerzfrei und führt nicht zur Erblindung, geht jedoch mit Beeinträchtigungen einher, die subjektiv als störend empfunden werden. Mit der Abhebung des Glaskörpers treten bereits bestehende lichtdichte Strukturen auf, die ursprünglich nicht bemerkbar waren. 

Wenn sich der Glaskörper ablöst, werfen Stränge des Glaskörpers oft neue Schatten auf die Netzhaut – diese Schatten erscheinen als Trübungen. Typisch ist die „schwappende“ oder „flottierende“ Mitbewegung der Trübungen bei jeder kleinen Augenbewegung.

Das Leitsymptom ist eine plötzliche Zunahme von Lichtblitzen oder beweglichen Trübungen im peripheren Gesichtsfeld. Letztere werden oft als dunkle Flecken, spinnwebenartige Gebilde oder verschnörkelte Linien wahrgenommen („Mouches volantes“). Kommt es zu kleinen, schmerzlosen Einblutungen in den Glaskörper, äußert sich dies als Sichttrübung oder sogenannter „Rußregen“.

In seltenen Fällen kann die Glaskörperabhebung zu schwerwiegenden Komplikationen führen, die eine sofortige Intervention erfordern. Um netzhautgefährdende Befunde sicher auszuschließen, ist eine funduskopische Untersuchung bei erweiterter Pupille (Mydriasis) notwendig. Bei entsprechenden Symptomen sollten Sie sich daher umgehend augenärztlich vorstellen.

Handelt es sich um einen unkomplizierten Verlauf, nimmt die subjektive Wahrnehmung der Beschwerden meist nach einigen Monaten ab. Durch diesen Gewöhnungseffekt (Neuroadaptation) lernt das Gehirn mit der Zeit, die optischen Phänomene weitgehend auszublenden.

Nach erfolgter Untersuchung und Diagnosestellung ist der Befund in der Regel als unbedenklich einzustufen, sofern keine Zunahme der Beschwerden (wie erneute Blitze oder Schatten) auftritt.

Lassen Sie uns sprechen

Sie nehmen die Symptome einer Glaskörperabhebung wahr und möchten sich untersuchen lassen? Dann zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren. Wir untersuchen Sie gerne in unserer Praxis in Chur.

Ursachen und Verlauf einer Glaskörperabhebung

Das Auge selbst und die Netzhaut behalten mit zunehmendem Alter ihre Grösse bei, aber die Konsistenz des Glaskörpers ändert sich so, dass sie immer flüssiger wird und der Glaskörper mit der Zeit schrumpft.

Der Glaskörper zieht sich langsam von der Netzhaut ab und die Fasern, die die Netzhaut mit dem Glaskörper verbinden, reissen. Das hört sich für Laien zunächst bedrohlich an, sollte jedoch keinen Grund für Sorgen darstellen – wir brauchen den Glaskörper nicht an der Netzhaut, um gut zu sehen.

Obwohl eine Glaskörperabhebung allein keine langfristige Bedrohung für das Sehvermögen darstellt, können sich in seltenen Fällen Komplikationen entwickeln, die das Sehvermögen gefährden können.

Kommt es zu sekundären Netzhautschäden wie einer Netzhautablösung (Ablatio retinae) oder einem Makulaforamen, ist das Sehvermögen akut gefährdet. In diesen Fällen ist sofortiges augenärztliches Handeln zwingend erforderlich.

Risikofaktoren

Die Glaskörperabhebung ist eine natürliche und häufige Erkrankung, die sich mit zunehmendem Alter bemerkbar macht. Sie ist bei Menschen unter 40 Jahren selten und tritt in der Regel erst nach 60 Jahren auf. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für das Auftreten dieser Erkrankung und die Entwicklung von Komplikationen.

Ist bereits ein Auge von einer Glaskörperabhebung betroffen, besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass diese auch am Partnerauge auftritt.

Weitere Faktoren können das Risiko einer Glaskörperabhebung erhöhen, darunter:

  • Diabetes
  • Augenverletzungen, beispielsweise beim Sport
  • Augenoperationen
  • Kurzsichtigkeit (Myopie)

Diagnose einer Glaskörperabhebung

Um festzustellen, ob eine Glaskörperabhebung vorliegt, können verschiedene Diagnostika angewandt werden. Dazu gehören:

  • Dilatierte Augenuntersuchung: Zur Untersuchung wird die Pupille zunächst mittels Augentropfen erweitert. Anschließend betrachtet der Arzt den Augenhintergrund mit einer speziellen Lichtquelle (Spaltlampe oder Ophthalmoskop). Dieser Vorgang ist schmerzlos; lediglich ein leichtes Druckgefühl kann dabei wahrgenommen werden.
  • Augen-Ultraschall: Bei dieser schmerzlosen Untersuchung werden mithilfe von Hochfrequenz-Schallwellen Bilder aus dem Inneren Ihres Auges gemacht, die Grösse des Auges gemessen und seine Struktur dargestellt.

Wenn Ihre Glaskörperabhebung keine ernstere Augenerkrankung verursacht, benötigen Sie wahrscheinlich keine Behandlung.

Behandlung einer Glaskörperabhebung

Einige Techniken können dabei helfen, mit den Trübungen und Blitzen, die mit einer Glaskörperabhebung einhergehen, besser umzugehen. Dazu gehören:

  • Bewegen Sie Ihre Augen vorsichtig im Kreis. Dadurch kann das Flimmern aus Ihrem direkten Blickfeld verschwinden.
  • Verringern Sie die Helligkeit von Bildschirmen wie Smartphones, Computern und Fernsehern.
  • Tragen Sie in hellen Umgebungen eine Sonnenbrille, damit die Lichtblitze weniger auffallen.

Operation – Vitrektomie 

Einige sehr seltene Fälle sind jedoch so schwerwiegend, dass eine chirurgische Entfernung in Betracht gezogen werden muss. Zu diesen Fällen gehören solche mit ausgedehnten Partikeln oder Trümmerwolken im Glaskörperraum, die sich in die Sicht hinein und wieder herausbewegen.

Diese Patienten klagen über das Gefühl, dass sie nicht mehr ununterbrochen lesen können, oder sich die Wolke beim Autofahren vor ihre Sicht bewegt. Sie befürchten, aufgrund der Sehstörungen einen Unfall zu verursachen oder ihre Fahrtauglichkeit zu verlieren.

Bei der Vitrektomie (Glaskörperentfernung) handelt es sich um einen operativen Eingriff, der meist ambulant und unter örtlicher Betäubung erfolgt. Dabei wird fast der gesamte Glaskörper entfernt und damit auch fast alle Glaskörpertrübungen.

Zu den mit der Vitrektomie verbundenen Risiken gehören unter anderem die Bildung von Katarakten, Netzhautrissen und -löchern, Makulaforamen und Makulaödemen. Es besteht ein geringes Risiko eines Sehkraftverlusts.

Wann sollte ein Augenarzt aufgesucht werden?

Wenngleich eine Glaskörperabhebung meist ein harmloser, altersbedingter Prozess ist, sollten Sie bei bestimmten Warnsignalen umgehend einen Augenarzt aufsuchen. Alarmstufe Rot gilt bei einer plötzlichen Zunahme von Lichtblitzen, massiv auftretenden „fliegenden Mücken“ oder einem wahrnehmbaren „Rußregen“. Diese Symptome können auf Einblutungen oder eine drohende Netzhautablösung hindeuten, die sofort behandelt werden müssen.

Bleiben Sie aber auch nach der Diagnose wachsam: Suchen Sie die Praxis erneut auf, wenn sich die Beschwerden verschlimmern oder neue Schatten auftreten. Sollten die Trübungen Sie auch nach Monaten noch so stark stören, dass Sie beispielsweise beim Autofahren oder Lesen massiv eingeschränkt sind, ist ein Beratungsgespräch über mögliche Behandlungsschritte dringend zu empfehlen.

Suchen Sie sofort einen Augenarzt auf, wenn der Verdacht auf eine Netzhautablösung oder Glaskörperabhebung besteht.

Netzhautrisse und Netzhautablösung

Manchmal reissen die Fasern des Glaskörpers ein Loch in die Netzhaut, wenn sie sich ablösen. Wenn Sie nicht schnell behandelt werden, kann dies zu einer Ablösung der Netzhaut führen.

Plötzliche Veränderungen wie Augenflimmern und -blitzen sowie eine Verdunkelung des seitlichen Sehens sind Anzeichen dafür, dass dies geschehen kann. Sollten Sie solche Symptome bemerken, ist die sofortige Konsultation eines Arztes Pflicht. 

Eine Netzhautablösung muss so schnell wie möglich behandelt werden, um Sehverlust zu vermeiden. In den meisten Fällen können sie jedoch mit einem Laser gut behandelt werden.

Glaskörpertrübung

Unter einer Glaskörpertrübung versteht man einen Prozess, bei dem der ursprünglich klare Glaskörper des Auges trüb wird. Die Glaskörpertrübungen verschwinden normalerweise nicht mehr von selbst.

Dabei kommt es zu einer Veränderung der Zusammensetzung und zu einer Schrumpfung der Glaskörpersubstanz. Während die Eiweißbestandteile und Fasern ursprünglich so fein und gleichmäßig verteilt sind, dass sie unsichtbar bleiben, führen diese Veränderungen dazu, dass sich die Eiweiße vom umgebenden Wasser trennen und zu lichtundurchlässigen Strukturen verklumpen.

Diese Strukturen werden besonders vor hellen Hintergründen, wie beim Lesen oder beim Blick in den blauen Himmel oder auf Schnee, sichtbar. Häufig erscheinen sie als kleine Punkte oder Fäden, die wie „fliegende Mücken“ wahrgenommen werden. Die Trübungen können jedoch auch andere Formen annehmen, etwa ast- oder sternförmige Muster.

Augenarzt Fazit

Die Glaskörperabhebung ist eine natürliche altersbedingte Veränderung, die in den meisten Fällen harmlos ist. Sie ruft typische Symptome wie Lichtblitze, Trübungen und das Gefühl von schwebenden „Mücken“ beim Blick hervor. Diese Symptome entstehen durch die Bewegung des Glaskörpers und die dabei entstehenden Schatten auf der Netzhaut, die vor allem bei Augenbewegungen wahrgenommen werden.

In seltenen Fällen kann eine Glaskörperabhebung zu schwerwiegenden Komplikationen wie Netzhautrissen oder einer Netzhautablösung führen. Insbesondere bei Symptomen wie einem eingeschränkten Gesichtsfeld, Flimmern oder plötzlichen Veränderungen des Sehens ist eine sofortige ärztliche Untersuchung notwendig.

Für die Behandlung stehen je nach Schweregrad unterschiedliche Methoden zur Verfügung. Neben einer genauen Diagnose mittels erweiterter Augenuntersuchungen und Ultraschall kann in einigen Fällen ein Laser-Eingriff oder eine Vitrektomie notwendig sein, um die Sicht zu verbessern und die Risiken zu minimieren. 

M.D. Gabriele Jarasune (Valaisaite)

Fachärztin für Augenheilkunde mit internationaler Erfahrung.

Mehr über mich und meine Karriere finden Sie auf meiner Profilseite.
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